Geben und Nehmen in einem solidarischen Netzwerk. Wie kann es funktionieren und was sind die Hintergründe?

Beim Thema Geld hört bekanntlich die Freundschaft auf und deshalb wird die “Beziehung” in der Regel in eine “Geschäftspartnerschaft” umgewandelt. So wird es in unseren Breitengraden hinlänglich gehandhabt und erweist sich in vielen Fällen sicherlich auch als sinnvoll und praktikabel. Hierbei wird mit sog. Verträgen genauestens vereinbart, welche Leistungen und Ansprüche wir zu einem bestimmten Preis erwarten können. Leider stehen Preis und Leistung nicht immer in einem ausgeglichenen Verhältnis und es ist nicht selten der Fall, dass Menschen, obwohl auch sie einen ganzen Tag ihrer Lebenszeit, ihrer Kräfte und zum Teil sogar ihrer Gesundheit für den Lebensunterhalt opfern, nicht in der Lage sind, sich und ihre Familien von ihrer Leistung zu ernähren. Dies hängt mitunter nur mit dem Ort zusammen, wo sie leben oder mit dem Beruf, den sie gewählt haben. Hierbei müßten wir wiederum berücksichtigen, dass auch die Wahlmöglichkeiten durch viele Faktoren beeinflusst werden (vgl. dazu u.a. Die feinen Unterschiede von Pierre Bourdieu oder auch Norbert EliasEtablierte und Außenseiter“). Leider stehen eben Leistung und Wertschätzung (z.B. in Form von Geld) nicht immer in einem gesunden Verhältnis. Einige sprechen sogar davon, dass die Schere zwischen armen und reichen Menschen immer größer wird.

Eine Idee, mit diesem Phänomen und den daraus resultierenden Problemen umzugehen, war und ist das Solidaritätsprinzip und der damit verbundene Versuch, mit den systemimmanenten Ungleichgewichten, seinen Umgang zu finden. Leider müssen wir feststellen, dass dieses Prinzip immer mehr aufgelöst wurde sowie wird und dass es sich mehr oder weniger nur auf nationalstaatlicher Ebene und nur kurzfristig als Steuerungsmittel als “wirksam”  erwiesen hat.

Auf der anderen Seite bildeten und bilden die Commons/Allmende (Gemeingüter) das Fundament eines gesunden Zusammenlebens. Leider werden diese Gemeingüter immer häufiger privatisiert und fallen somit in das System der Gewinnorientierung und Gewinnmaximierung (w.z.B. Privatisierung von Wasser, Land und Bodenschätzen). Dass unsere Natur und unsere Mitmenschen (egal wo sie sich auf diesem Planeten befinden mögen), nicht bis ins unendliche ausgebeutet werden können, ist beinahe jedem klar und auch bereits tausendfach wissenschaftlich erwiesen. Vielleicht hat sich auch schon jemand von uns dabei ertappt, wie er/sie probiert hat, sich selbst zu optimieren, um in diesem Wirtschaftssystem zu überleben oder auch nur nicht als Verlierer dastehen zu müssen.

Es mag vor diesem Hintergrund vollkommen abwegig sein, einen anderen Weg einschlagen zu wollen, wäre dies aber nicht dennoch sinnvoll und wie könnte dieser Weg aussehen?

In diesem Netzwerk soll nun der Versuch gemacht werden, es einmal anders zu handhaben und sowohl das Solidaritätsprinzip zu stärken als auch die Gemeingüter, denn Freie Software und offene Bildungsressourcen (wie z.B. Wikipedia) gehören der Weltgemeinschaft, sie sind von der Gemeinschaft erschaffen, werden von ihr gepflegt und mit allen geteilt.

Die Frage die wir hier nur stellen müssen ist, wie wollen und können wir ein solches Netzwerk gemeinschftlich tragen?

Manchmal ist es so, dass jemand viel Zeit, Fantasie oder Fähigkeiten besitzt, die in unserer Gesellschaft für “minderwertig” erachtet werden. Andere haben viel Geld, aber wenig Zeit.

 

Commons fallen nicht vom Himmel

Vortrag von Silke Helfrich

Eine Einführung in Gemeingüter: Seit mehreren Jahren formiert sich weltweit eine Commonsbewegung. Sie vernetzt digitale, kulturelle, ökologische und soziale Commonsaktivisten, die einen allmendebasierten Umgang mit Gütern, Geld und Menschen etablieren. Was sind die neuen Trends und Entwicklungen in dieser Bewegung? Wie haben sich Konzepte und Begriffe weiterentwickelt? Welche neuen Erkenntnisse gibt es?

 

Literatur

  1. GEMEINGÜTER – WOHLSTAND DURCH TEILEN, Silke Helfrich, Reiner Kuhlen, Wolfgang Sachs, Christian Siefkes, Heinrich Böll Siftung, Berlin 2009.
  2. Freie Kultur – Wesen und Zukunft der Kreativität, Lawrence Lessig, Open Source Press, München 2006.
  3. Freie Software Zwischen Privat- und Gemeineigentum, Volker Grassmuck, Bundeszentrale für politische Bildung, Schriftenreihe Band 458, Bonn 2004.
  4. Capulco – keep the future unwritten – Internetseite nur noch im Webarchiv

Wird erweitert.