Ideal und Wirklichkeit

Hannes Wader
Foto: Richard Huber [CC BY-SA 4.0 ], from Wikimedia Commons
Liebe Freunde,

in dem Lied “Gut, wieder hier zu sein” begrüßte Hannes Wader sein Publikum u.a. mit den Zeilen:

Wer daran glaubt, alle Gefahren
nur auf sich selbst gestellt zu überstehn,
muss einsam werden und mit den Jahren
auch an sich selbst zugrunde gehen.

Hannes Wader und viele andere Leute???, die mein Denken und meine Sicht auf diese Welt über viele Jahre nachhaltig beeinflusst haben, verlassen nach und nach die Bühnen, geraten teilweise in Vergessenheit und mir kommt nicht selten der Gedanke, dass sich unsere Gesellschaft in eine ganz andere Richtung entwickelt hat, als mir dies von “meinen” Vorbildern erzählt wurde.

Auf der anderen Seite sehe ich, dass viele Menschen gerade in diesen Zeiten, wo es zunehmend anonymer, egozentrischer und hektischer zugeht, ganz andere Wege einschlagen wollen und dies nicht nur versuchen, sondern auch Schritte gehen, die ehrlicher, solidarischer, friedlicher und uneigennütziger sind, als es unsere Dichter und Denker jemals nur zu Papier gebracht haben.

Unsere Welt und unser Handeln sind noch nie so transparent gewesen und viele von uns haben bereits erkannt, dass wir mit “Nepper, Schlepper, Bauernfängerei” nicht weiterkommen werden. Dass auch das Internet uns nicht näher, sondern viel weiter von uns selbst und unseren Mitmenschen entfernt und mitunter sogar vollkommen entfremdet hat. Der junge Künstler GReeeN  hat die Folgen unseres Verhaltens im Digitalzeitalter in seinem Lied “Bis ans Ende der Welt” beschrieben und gezeigt, dass auch die ganz junge Generation auf der Suche nach Echtheit und einer neuen Richtung ist.

Dass dies alles auch mit einem großen Stolpern und enormer Unsicherheit einhergeht, zeigen auch immer wieder die vielen Gespräche und Diskussionen, die ich in den letzten Jahren mir vielen von euch oder auch in ganz anderen Zusammenhängen geführt habe. Die große Frage, die immer wieder im Raume steht: Wie soll es denn anders gehen? und wir kommen nicht um das Achselzucken herum, denn niemand von uns hat das Laufen auf diesen Wegen je gelernt. Franz Kafka beschrieb es folgendermaßen:

„Der wahre Weg geht über ein Seil, das nicht in der Höhe gespannt ist, sondern knapp über dem Boden. Es scheint mehr bestimmt stolpern zu machen, als begangen zu werden.“ Franz Kafka

Dennoch ist uns doch allen klar, dass es mehr als nur eine Weggabelung gibt und es in unserer Macht steht, diese Wege allein gemeinsam zu beschreiten und wir vermutlich erst nach tausend Schritten und im Rückblick sagen können, ob es denn der richtige oder falsche Weg gewesen ist.

Ideal und Wirklichkeit (Kurt Tuckolsky)

In stiller Nacht und monogamen Betten
denkst du dir aus, was dir am Leben fehlt.
Die Nerven knistern. Wenn wir das doch hätten,
was uns, weil es nicht da ist, leise quält.
Du präparierst dir im Gedankengange
das, was du willst – und nachher kriegst dus nie …
Man möchte immer eine große Lange,
und dann bekommt man eine kleine Dicke –
C’est la vie – !